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1999 –

Franz.Ost

© Ralf Schmitt „Reiterstandbild Atatürks, errichtet 1927/2007 auf dem Ulus Square, Ankara, als ein Symbol für das Streben nach Unabhängigkeit.“

Bezugnehmend auf die „Paßstücke“ des österreichischen Künstlers Franz West, erzeugt die „Franz.Ost“ – Trilogie ein asiatisches Pseudonym, indem sie sich den Namen des Künstlers aneignet und ihn mit der heutigen Lage verknüpft und an sie anpasst.

Als ich 1999 für ein Jahr die chinesische Knotenkunst in Taipei studierte und praktisch erlernte, erkannte ich, dass die größte Schwierigkeit nicht darin besteht, den Knoten zu machen, sondern ihn anzupassen und ihn in die richtige Form zu bewegen. In diesem Zusammenhang war es für mich aufschlussreich, im Senfkorngarten, einem Lehrbuch der chinesischen Malerei aus dem 17. Jahrhundert, etwas zu erfahren über die Geheimnisse, einen Bambusknoten zu malen. Insbesondere die Einsicht, dass „Knoten“ und „Moral“ im Chinesischen ein und dasselbe Schriftzeichen haben, führte mich zu einer Inversion von Fluxus. Und da ich des Öfteren nach meiner „These“ gefragt wurde, aber keine hatte, entschied ich mich, deren Form zu benutzen.

Diese Form meiner These basierte auf einer 2001 für die bolivianische Wissenschaftlerin Carmen Beatriz Loza erstellten digitalen Transkription einer Handzeichnung, die 1894 der deutsche Ärchäologe Max Uhle angefertigt hatte; sie zeigt drei Quipus eines Schafhirten aus Cha’lla, Titicaca-Island. Sie mündete in der Schlussfolgerung, dass diese drei Knotengebilde mit großer Wahrscheinlichkeit die Bedienoberfläche der weltweit ersten transnationalen schwimmenden Untergrundbahn zwischen dem heutigen Bolivien und Peru überliefern. Dieser erste Teil trägt den Titel „Politics of Dada and Data“.

Aber unsere Exkusion nach Cha’lla auf der Sonneninsel bestätigte nicht unsere „Metrothese“; anstatt dessen vernahmen wir eine andere Stimme des Gewissens: Nachdem die vormals staatliche Telefongesellschaft ENTEL das Monopol für Orts-, Fern- und internationale Gespräche über einen langen Zeitraum innehatte, wurde die Firma im November 2001 durch die Liberalisierung des bolivianischen Wirtschaftsmarktes privatisiert. Die global agierenden Unternehmensberater diskutierten die neue Situation und entschieden sich, das Wissen der Wissenschaftler, Archäologen, Anthropologen, Künstler, Ethno-Mathematiker usw. zu nutzen. Sie wählten einen lokal bekannten und unauffälligen Quipu-Knoten aus, der landesweit in jedes von ihrer Firma zur Verfügung gestellte öffentliche Telefonkabel gebunden werde sollte, um dadurch den Profit pro getätigten Anruf zu steigern. Zu diesem Zweck wurden seit Anfang 2002 in Kurzlehrgängen einheimische Arbeiter geschult und zu speziellen Montage-Teams zusammengestellt. Diese sind unterbezahlt und es ist Ihnen untersagt, über ihre Arbeit zu sprechen. Der zweite Teil der Trilogie heißt „Doku-Soap“.

Schlussendlich gibt es einen dritten Teil mit dem Arbeitstitel „Blowjob“, der gerade im Entstehen begriffen ist…Gibt es eine Verknüpfung zwischen dem Gordischen Knoten und dem alten arabischen Motiv der Knotenbläserinnen, die Verwünschungen in Knoten blasen, wie es in der 113. Sure „Die Morgendämmerung“ im Koran beschrieben wird? Und wenn ja, welche Rückschlüsse können wir dann auf eine andere Form des „Blowjobs“ ziehen, den wir heutzutage in veränderter Konnotation kennen und praktizieren?

Teil 1 & 2 der „Franz.Ost“ – Trilogie wurden im spanischen Kunstmagazin Atlántica Internacional Revista de las Artes publiziert:
„Politics of Dada and Data“ in No. 30, 2001, S. 88-94
„Docu-Soap“ in No. 36, 2003, S. 90-97

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